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Nachhaltigkeit messbar machen im Workshop zu LCA und PCF

29. Okt.
4 Min. Lesezeit

Wie nachhaltig ist ein Produkt wirklich, wenn man nicht nur das fertige Ergebnis betrachtet, sondern auch Rohstoffe, Herstellung, Nutzung und Entsorgung? Genau diese Frage stand am 23. Oktober 2026 im Mittelpunkt unseres Workshops „Life Cycle Assessment & Product Carbon Footprint, von der Methode zum eigenen Produkt“.


Unsere Startup-Teams setzten sich dabei mit zwei Methoden auseinander, die für nachhaltige Produktentwicklung immer wichtiger werden: Life Cycle Assessment, kurz LCA, und Product Carbon Footprint, kurz PCF. Beide helfen dabei, ökologische Auswirkungen sichtbar zu machen. Diese Werkzeuge liefern später eine nachvollziehbare Grundlage für bessere Entscheidungen.


Der Workshop verband fachlichen Input mit praktischer Arbeit am eigenen Produkt. Die Teams analysierten Prozesse, diskutierten Annahmen und identifizierten erste Umwelt-Hotspots. Dabei wurde deutlich: Nachhaltigkeit beginnt nicht erst bei der Markteinführung. Sie kann und sollte schon in frühen Entwicklungsphasen mitgedacht werden.


Overhead view of prototype components and lifecycle notes on a workshop workbench.
Nachhaltigkeit wird greifbar, wenn Produkte Schritt für Schritt betrachtet werden.

Warum LCA und PCF für Startups so relevant sind


Viele junge Unternehmen arbeiten an Produkten, Technologien oder Materialien, die einen positiven Beitrag leisten sollen. Oft geht es um weniger Ressourcenverbrauch, bessere Kreislauffähigkeit, neue Produktionswege oder geringere Emissionen. Doch in der frühen Entwicklung zeigt sich schnell: Gute Absichten reichen nicht aus.


Ein Produkt kann in einem Bereich sehr gut abschneiden und an anderer Stelle unerwartete Belastungen verursachen. Ein Material kann biobasiert sein, aber viel Energie in der Verarbeitung benötigen. Eine technische Lösung kann in der Nutzung Emissionen sparen, aber in der Herstellung aufwändige Komponenten brauchen. Genau hier setzen LCA und PCF an.


Ein Life Cycle Assessment betrachtet Umweltauswirkungen entlang des Produktlebenszyklus. Je nach Ziel und Scope können dabei verschiedene Wirkungskategorien eine Rolle spielen, etwa:


  • Treibhausgasemissionen

  • Energie- und Wasserverbrauch

  • Rohstoffbedarf

  • Abfallaufkommen

  • Versauerung oder Eutrophierung

  • Auswirkungen durch Transport und Verpackung


Der Product Carbon Footprint fokussiert stärker auf die Treibhausgasemissionen eines Produkts. Er betrachtet also, welche klimawirksamen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette entstehen. Für viele Startups ist das ein erster, gut verständlicher Einstieg, weil CO₂-Äquivalente eine zentrale Kennzahl in Klimastrategien, Förderprogrammen, Lieferketten und Kundengesprächen sind.


Der Workshop machte aber auch klar: LCA und PCF sind nicht nur Berichtswerkzeuge. Sie helfen dabei, ein (fertiges) Produkt zu bewerten. Sie können schon während der Entwicklung zeigen, welche Entscheidungen besonders viel Einfluss haben.



Von der Methode zum eigenen Produkt


Der Life Cycle Assessment Workshop startete mit den methodischen Grundlagen. Im Vordergrund stand das praktische Verständnis: Was wird betrachtet? Welche Daten werden benötigt? Wo liegen typische Fehlerquellen? Und wie lassen sich Ergebnisse sinnvoll interpretieren?


Besonders wichtig war die Frage nach den Systemgrenzen. Denn keine Analyse kann „alles“ erfassen. Teams müssen festlegen, welcher Teil des Lebenszyklus betrachtet wird und welche Prozesse einbezogen werden. Diese Entscheidung beeinflusst die Aussagekraft der Ergebnisse.


Ein einfaches Beispiel: Wird nur die Produktion eines Bauteils betrachtet, bleiben Nutzung und Entsorgung außen vor. Das kann sinnvoll sein, wenn es um eine sehr frühe Materialentscheidung geht. Für eine umfassende Produktbewertung gehört aber oft mehr dazu.



Die Teams arbeiteten an realen Produkten und Technologien


Nach dem fachlichen Einstieg ging es in die praktische Anwendung. Die Teilnehmer:innen übertrugen die Methoden auf ihre eigenen Produkte und Technologien. Dadurch wurde aus einem theoretischen Thema schnell eine konkrete Arbeitsfrage: Welche Prozesse sind für das eigene Produkt wirklich relevant?


Die Teams betrachteten unter anderem Materialien, Prozessschritte, Energiebedarf, Transporte, Nutzungsphasen und mögliche End-of-Life-Szenarien. Dabei entstanden erste Systemskizzen und Prozessketten. Diese halfen, das Produkt nicht nur als fertiges Ergebnis zu sehen, sondern als Abfolge von Entscheidungen und Abhängigkeiten.


Für die Teams war genau dieser Perspektivenwechsel wertvoll. Ein Produkt besteht nicht nur aus seiner technischen Funktion. Es besteht auch aus Herkunft, Verarbeitung, Lieferwegen, Nutzungskontext und der Frage, was am Ende damit passiert.



Close-up of hands sorting material samples beside a simple lifecycle sketch.
Materialien und Prozesse wurden im Workshop aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

Nachhaltigkeit früher in die Entwicklung holen


Ein zentrales Fazit des Workshops lautete: Nachhaltigkeit lässt sich bereits in frühen Entwicklungsphasen gezielt steuern. Das ist einfacher, als später ein fertiges Produkt grundlegend zu ändern.


In der Frühphase sind viele Entscheidungen noch offen. Materialien, Fertigungsprozesse, Lieferketten, Produktarchitektur, Reparierbarkeit und Nutzungsszenarien können leichter angepasst werden. Genau dort entstehen oft die größten Hebel.


Das bedeutet nicht, dass jedes Startup sofort eine vollständige Ökobilanz erstellen muss. Sinnvoller ist ein gestufter Zugang:


  1. Produktlebenszyklus skizzieren

    Welche Phasen gibt es vom Rohstoff bis zum Lebensende?


  2. Relevante Prozesse sammeln

    Welche Schritte brauchen Material, Energie, Transport oder Zusatzstoffe?


  3. Erste Hotspots vermuten

    Wo könnten die größten Auswirkungen liegen?


  4. Datenlücken sichtbar machen

    Welche Informationen fehlen noch für eine fundierte Bewertung?


  5. Entscheidungen ableiten

    Welche Produkt- oder Prozessentscheidung kann schon jetzt verbessert werden?


Dieser Ansatz passt gut zu Entwicklungsarbeit. Er verlangt nicht, dass alles von Beginn an exakt berechnet wird. Er schafft aber eine Struktur, mit der Nachhaltigkeit Teil der Produktlogik wird.



Was die Teams aus dem Workshop mitnehmen konnten


Am Ende stand kein fertiger Bericht für jedes Produkt. Das war auch nicht das Ziel. Der Nutzen lag in einem klareren Verständnis und in ersten konkreten Ansatzpunkten.


Die Teilnehmer:innen nahmen vor allem drei Dinge mit:


  • Ein methodisches Grundverständnis LCA und PCF wurden als Werkzeuge greifbar, nicht als abstrakte Fachbegriffe.


  • Erste Orientierung für das eigene Produkt Die Teams konnten relevante Prozesse und mögliche Umwelt-Hotspots identifizieren.


  • Praktische nächste Schritte Für viele Produkte wurde klarer, welche Daten gebraucht werden und welche Entscheidungen näher betrachtet werden sollten.


Gerade diese Verbindung aus Methode und Anwendung machte den Workshop wertvoll. Theorie allein bleibt oft zu weit weg vom Alltag junger Unternehmen. Praxis ohne Methode kann dagegen schnell unscharf werden. Zusammen entsteht eine Grundlage, auf der Teams weiterarbeiten können.


Gemeinsam analysieren die Teammitglieder die Umweltauswirkungen ihrer Produkte und entwickeln nachhaltige Lösungsansätze.
Gemeinsam analysieren die Teammitglieder die Umweltauswirkungen ihrer Produkte und entwickeln nachhaltige Lösungsansätze.

Vielen Dank an alle Beteiligten für den spannenden Austausch, die offenen Fragen und die aktive Mitarbeit. Der Workshop hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit dann besonders wirksam wird, wenn sie nicht nur behauptet, sondern Schritt für Schritt überprüft wird.


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