Mycolation: Aus Textilabfall wächst Zukunft.
Mycolation entwickelt zirkuläre Isolierplatten aus Alttextilien und Pilzmyzel – und zeigt, wie aus einer ersten Idee Schritt für Schritt ein Gründungsvorhaben wird.

Was wäre, wenn aus dem, was wir heute wegwerfen, morgen ein neuer Baustoff entsteht?
Mycolation arbeitet daran, Textilabfälle in ein neues, nachhaltiges Baumaterial zu verwandeln.
Noch ist Mycolation kein gegründetes Unternehmen. Das Team befindet sich mitten in der Validierungsphase. Genau deshalb ist die Geschichte spannend: Hier entsteht etwas mit Potenzial – und gleichzeitig gibt es noch viele Fragen, die beantwortet werden müssen.
1. Alles beginnt mit einem Problem.
Nach Angaben des Teams landen in Österreich jährlich rund 90.000 Tonnen Textilabfälle im Restmüll – das entspricht etwa 15 Kilogramm pro Person. Gleichzeitig werden für Gebäude große Mengen an Dämmmaterial benötigt. Viele konventionelle Dämmstoffe sind in Herstellung und Entsorgung energieintensiv und mit CO₂-Emissionen verbunden.
Mycolation bringt diese beiden Herausforderungen zusammen:
Wie können wir Textilabfälle sinnvoll weiterverwenden – und daraus gleichzeitig ein Material für nachhaltigeres Bauen entwickeln?
2. Wenn Textilien auf Myzel treffen.
Die Idee von Mycolation ist ungewöhnlich: Alttextilien werden mit Pilzmyzel kombiniert und sollen so zu zirkulären Isolierplatten werden.
Myzel ist das feine Geflecht, das den Vegetationskörper eines Pilzes bildet. Bei Mycolation soll es die aufbereiteten Textilfasern miteinander verbinden und so einen stabilen Verbundwerkstoff entstehen lassen.

Aus einem Material, das andernfalls entsorgt würde, könnte damit ein neuer Werkstoff für die Bauindustrie entstehen. Im Rahmen der laufenden Validierung untersucht das Team unter anderem Eigenschaften wie Feuerresistenz, Feuchtigkeitsbeständigkeit und Schallabsorption. Auch Kreislauffähigkeit, Energieeinsatz und der Verzicht auf chemische Additive spielen bei der Entwicklung eine Rolle.
Wichtig: Mycolation befindet sich noch in der Validierungsphase. Ob sich die angestrebten Eigenschaften im gewünschten Umfang bestätigen, ist Teil der laufenden Entwicklung. Auch Aussagen zu Umweltwirkung, Produktionskosten und Marktpotenzial sind derzeit als Annahmen bzw. bisherige Berechnungen des Teams zu verstehen.
3. Aus einer Idee wird ein Gründungsvorhaben.
Hinter Mycolation steht ein Team von Studierenden der Montanuniversität Leoben, die sich über ihr gemeinsames Studium kennengelernt haben.

Doch zwischen einer interessanten technischen Idee und einem möglichen Unternehmen liegen viele Schritte. Neben der Entwicklung des Materials geht es deshalb auch darum herauszufinden, welches konkrete Problem damit gelöst werden kann, wer das Material später einsetzen könnte und ob daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen kann.
Eine der größten Herausforderungen dabei war für das Team zunächst eine ganz praktische: Studium, Arbeit und Unternehmensgründung gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen. Forschungsarbeit und unternehmerische Aufgaben laufen bei Mycolation parallel zum Studien- und Arbeitsalltag. Mit gutem Zeitmanagement ist es dem Team bisher gelungen, diese unterschiedlichen Anforderungen miteinander zu verbinden und sowohl die technische Entwicklung als auch das Gründungsvorhaben weiter voranzutreiben. Dabei hat sich seit den ersten Versuchen im Frühjahr 2025 nicht nur das Material weiterentwickelt. Auch die Arbeitsweise des Teams hat sich verändert. Denn wer aus einem technischen Studium kommt, ist es gewohnt, mit vergleichsweise klar definierbaren Prozessen und Parametern zu arbeiten. Bei biologischen Prozessen gelten andere Regeln.
Das Team musste lernen, dass sich Myzel nicht in jeder Hinsicht wie ein rein technischer Prozess behandeln lässt. Diese Erfahrung hat die Herangehensweise an die Versuche und die gesamte Entwicklung von Mycolation nachhaltig geprägt.
4. Von „Entdecken“ zu „Validieren“.
Im Mai 2025 kam Mycolation zum ZAT. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Vorhaben noch in der Phase Entdecken. Seitdem wurde die Idee Schritt für Schritt weiterentwickelt. Gemeinsam wurde am Businessplan gearbeitet, erste Laborversuche wurden ermöglicht und das Team erhielt Unterstützung bei der technischen und unternehmerischen Entwicklung.
Zur bisherigen Begleitung gehören:
✓ Coaching und individuelle Begleitung
✓ Entwicklung des Businessplans
✓ Infrastruktur für erste Laborversuche
✓ externe Beratungen und Workshops
✓ Unterstützung bei der Validierung des Vorhabens
Ein besonderer Meilenstein folgte ebenfalls 2025: Mycolation gewann MUL:Idea 2025 im Track Studierende.

Der nächste Schritt war damit aber nicht automatisch die Gründung. Stattdessen ging es darum, die bisherigen Annahmen genauer zu überprüfen.
5. Jetzt muss die Idee zeigen, was in ihr steckt.
Heute befindet sich Mycolation in der Validierungsphase. Das bedeutet: Was bisher in ersten Versuchen funktioniert oder auf Berechnungen und Annahmen basiert, muss nun systematisch überprüft werden.
Dazu gehören unter anderem:
Materialeigenschaften und Dämmwerte
Umweltwirkung und CO₂-Bilanz
Herstellungsprozess und Skalierbarkeit
mögliche Anwendungsbereiche
Marktbedarf und potenzielle Zielgruppen
Als möglichen Zielmarkt sieht das Team insbesondere Bereiche wie nachhaltiges Bauen und Wohnraumsanierung. Ob und in welcher Form daraus letztlich ein marktfähiges Produkt entsteht, ist bewusst noch offen. Denn beim Validieren geht es nicht darum, zu beweisen, dass eine Idee funktioniert. Es geht darum, herauszufinden, ob sie funktioniert.
6. Was das Team antreibt.
Hier würde ich die persönliche Ebene bewusst stärker werden lassen. Statt weiteren erklärenden Textes würde ich mit zwei echten Aussagen des Teams arbeiten:
„Unsere große Vision mit Mycolation ist es, den Scheinwerfer auf gleich drei Probleme zu richten und an deren Lösung mitzuarbeiten: Wir möchten die immer größeren Mengen an Alttextilien nachhaltig verwerten, so einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten und gleichzeitig ein effizientes Dämmmaterial herstellen, um dem ökologischen Gebäudebau ein weiteres, hochwirksames Werkzeug in die Hand zu geben.“ – Team Mycolation
7. Was als Nächstes kommt.
Mycolation ist noch nicht am Ziel – und genau darum geht es in dieser Phase. Aktuell arbeitet das Team daran, die technischen, wirtschaftlichen und marktbezogenen Annahmen hinter der Idee weiter zu überprüfen und aus den Ergebnissen die nächsten Entwicklungsschritte abzuleiten.
Aktueller Stand
Derzeit arbeitet das Team an der nächsten Generation seiner Mycolation-Versuchsreihen. Dabei fließen sowohl die bisherigen technischen Ergebnisse als auch die Erfahrungen im Umgang mit biologischen Prozessen in die Weiterentwicklung ein.
Nächster Validierungsschritt
Als Nächstes gilt es, die entscheidenden Parameter für eine Produktion über den Labormaßstab hinaus genauer zu validieren und festzulegen. Damit soll Schritt für Schritt geklärt werden, unter welchen Bedingungen ein stabiler und reproduzierbarer Herstellungsprozess möglich ist.
Langfristige Vision
Langfristig möchte Mycolation dazu beitragen, drei Herausforderungen miteinander zu verbinden: die nachhaltige Verwertung wachsender Mengen an Alttextilien, die Stärkung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und die Entwicklung eines leistungsfähigen Dämmmaterials für ökologischeres Bauen.
Mycolation zeigt damit sehr schön, wie Gründung tatsächlich beginnen kann: nicht mit einem fertigen Unternehmen, sondern mit einer Idee, vielen offenen Fragen und der Bereitschaft, Antworten darauf zu finden.



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